feine hunde, faire halter. DogWalk

WAS MACHT EIN HELD IM RUHESTAND?27. August 2010

Würde er das Wort Elite-Hund verstehen, wäre Eddie sicher stolz. Seit neun Jahren ist er einer von drei Einsatzhunden des Berliner SEK (Sondereinsatzkommando). Ausgebildet dafür, sich Schwerstverbrechern zu stellen und bei deren Festnahme zu helfen. Sogar als erster "anzugreifen", wenn die Lage in einer Wohnung oder einem Gebäude unübersichtlich ist und die SEK-Männer deswegen in Lebensgefahr geraten können.

Mehrere hundert Mal fuhr er mit Michael S., seinem Teampartner im SEK zu Einsätzen heraus. Auf ihn wurde geschossen, mehrfach hat er die Kastanien aus dem Feuer geholt und den Erfolg des Einsatzes garantiert. Doch Eddie wird nächstes Jahr in Rente gehen. Nicht mehr durch Scheiben springen und Verbrecher jagen, sondern Stöckchen und Bälle im Park. "Den werde ich weiterhin auspowern müssen. Wenn der keine Beschäftigung hat, ist er ganz mies drauf", sagt Polizeioberkommissar Michael S. vom 1. Team, der ebenfalls die SEK-Altersgrenze von 42 Jahren erreicht, das Kommando verlässt und zu einer anderen Dienststelle gehen wird. Doch Eddie behält er, weil der sonst nach dieser intensiven Bindung "kaputtgehen" würde. Denn Eddie und Michael S. sind fast immer zusammen. "Ich kann ihn nicht nach Dienstschluss in das Waffenschließfach packen." Die Aufgaben der SEK-Hunde gehen weit über die der "normalen" Polizeihunde hinaus. Sie werden aus Häusern abgeseilt und notfalls auch zusammen mit Herrchen aus einem Hubschrauber 20 Meter in die Tiefe gelassen, wenn die Verkehrswege mit dem Auto zu lang wären. Eddie war und ist ein guter "SEK-Mann", sagt Michael S.

Wie die Einsatzbeamten müssen sich auch die Hunde einmal im Jahr einer gesundheitlichen und taktischen Überprüfung stellen, die verbindlich über eine weitere Verwendung entscheidet. "Er ist immer noch gut drauf, und ich hatte eigentlich gehofft, dass er im Alter nun etwas ruhiger werden würde, aber leider ist das nicht eingetreten", grinst Michael S. Im Vergleich zum Menschen kennt Eddie keine Angst, sondern er tut, was sein Herrchen ihm sagt. Der Hund gilt als Einsatzmittel. Dass sich das zynisch anhört, weiß Michael S. "Ich habe diesen Hund als Welpen bekommen, habe ihn aufgebaut und zu dem erfolgreichen Diensthund gemacht, der er heute ist. Und natürlich sorge ich mich um ihn, wenn er in den Einsatz geht. Aber ich denke auch an meine Kollegen, meine Freunde. Und dass Eddie uns schützen kann. Man muss diese Gefühle eben trennen können." Dennoch ist der SEK-Beamte froh, dass sein Vierbeiner das Rentenalter erreicht hat, ohne verletzt oder gar getötet worden zu sein. "Unsere Dienstzeit war intensiv, wir haben viel zusammen erlebt." Privat werden sie immer noch viel Zeit miteinander verbringen, auch auf der neuen Dienststelle. Aber gemeinsames Adrenalin wird es nicht mehr geben. "Es sei denn, ich muss ihn daran hindern, den Pudeldamen nachzujagen."

(Quelle: Welt online)

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