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DRAUFGÄNGER MIT LIEBE ZUM BALL21. Juli 2010

DRAUFGÄNGER MIT LIEBE ZUM BALL

Wenn Jack so daliegt, könnte man versucht sein, ihn für einen Langweiler zu halten: Platt wie eine Flunder liegt er da im Besprechungsraum der Freiwilligen Feuerwehr Lemwerder. Was um ihn herum passiert, interessiert ihn nicht die Bohne. Sobald sich aber Herrchen Lars Prößler auch nur einen Zentimeter bewegt, ist der Mischlingsrüde alarmiert. Und wenn Herrchen dann freundlicherweise noch nach dem roten Ball mit Wurfseil greift, ist der Draufgänger in Jack hellwach.

Der dreijährige Rüde liebt diesen Ball. Er liebt ihn so sehr, dass er ihn gerne kaputt macht und Herrchen einmal die Woche einen neuen kaufen muss. „Es muss aber immer ein bestimmter sein“, sagt Prößler. Fliegt der Ball durch die Luft, jagt Jack wie besessen hinterher: Er springt in die Luft, überschlägt sich fast, schlägt Haken und legt sich dabei auch mal auf die Nase.

Was Jack noch liebt, ist Rinderherz. Das hochwertige Muskelfleisch gibt es für ihn immer als Belohnung für seine verrichtete Arbeit als Mitglied der Rettungshundestaffel Lemwerder. Jack ist geprüft in der Flächen- und Trümmersuche der Stufe 1. Heißt: Jack sucht vermisste Menschen – entweder auf einer größeren Fläche oder auch unter Trümmern. Seine Nase ist trainiert auf den menschlichen Geruch. Sein Herrchen gibt ihm nur die Richtung vor, in der er suchen soll, und dann legt Jack auch schon los. Wenn er eine Person aufgespürt hat, wird diese verbellt.

Dass aus Jack ein Rettungshund werden soll, war für Lars Prößler gleich klar: Zwölf Wochen war der Welpe alt als er zu seinem Hundeführer kam. Jacks Mama ist ein Dalmatiner, der Vater ein Belgischer Schäferhund. „Dalmatiner sind sehr ausdauernd, belgische Schäferhunde haben einen ausgeprägten Arbeitstrieb“, erklärt Prößler, warum diese Mischung gut geeignet ist. Schon als Welpe wurde Jack getestet: Wie selbstständig und schreckhaft er ist, wie reagiert er auf Fremdes. Das Ergebnis: Jack ist cool, er lässt sich nicht aus der Ruhe bringen und hat nur wenige Flausen im Kopf. Dann ging’s mit dem Training los – spielerisch natürlich.

Im Alter von zwei Jahren hatte Jack seinen ersten richtigen Einsatz, weitere Vermisstensuchen sollten folgen. „Oft sind das alte Menschen, die sich verirrt haben“, weiß Prößler. Täglich trainiert er seinen Hund, zweimal die Woche trifft sich die ganze Staffel zum Training. Fährt Herrchen zur Arbeit, ist Jack als Beifahrer dabei. Die enge Bindung zwischen Hund und Mensch ist wichtig. Deshalb frisst Jack Lars Prößler auch aus der Hand, einen Napf hat er nicht. Das schweißt zusammen. Zusammen auf dem Sofa sitzen beide aber nicht – Küche und Möbel sind für den schwarzen Hund mit dem weißen Latz und den Flatterohren tabu.

(Quelle: NW online)

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